Energiewende und Klimaschutz
Über das Projekt
Wärme clever speichern – Meldorfs Schritt in die Zukunft
Schon vor über 20 Jahren nutzte Meldorf überschüssige Abwärme aus der örtlichen Druckerei. Sie versorgte das örtliche Schwimmbad mit Wärme, ein frühes Beispiel für nachhaltige Energienutzung.
Mit dem Erdbeckenwärmespeicher geht die Stadt nun den nächsten Schritt: Wärmeüberschüsse sollen saisonal gespeichert werden und auch im Winter zur Verfügung stehen. Seit 2021 entsteht ein innovatives Fernwärmeprojekt. Der Speicher fasst 43.000 m³ Wasser und kann über 1,5 GWh Wärme aufnehmen – bei bis zu 85 °C Speichertemperatur.
Im November 2026 werden zwei Rotationswärmepumpen des Herstellers ecop (je 600 kW thermisch) das System ergänzen, um die nutzbare Energiemenge des Speichers zu erhöhen und Umweltwärme für die Speicherung zu gewinnen. Unser Ziel ist außerdem die netzdienliche Nutzung von Stromüberschüssen für die Wärmeerzeugung.
Über die 3,2 km lange Wärmetrasse versorgt unser Netz heute schon das Landesmuseum, das Hospiz, ein Wohnheim, diverse Schulgebäude und – zur Wiedereröffnung – unser Schwimmbad mit klimafreundlicher Energie.
Die Wärmeinfrastruktur Meldorf zeigt, wie intelligente Nahwärmelösungen heute schon Zukunft gestalten.
Wie kommt die Wärme zum Verbraucher?
Beim Speicherbecken in Meldorf handelt es sich um einen Saisonalspeicher. Das bedeutet, dass der Speicher in der Sommersaison mit Wärme aus verschiedenen Quellen beladen und im Winter für die Einspeisung ins Fernwärmenetz entladen wird. Im Englischen hat sich für diese Art von Speichern die Abkürzung PTES (Pit Thermal Energy Storage) durchgesetzt. PTES ermöglichen bei einem saisonalen Speicherbetrieb die Speicherung bzw. Überbrückung von sehr langen Zeiträumen zwischen der Erzeugung und dem Bedarf. In einem immer stärker von erneuerbaren Erzeugern geprägten Energiesystem steht Strom oder Umweltwärme oft zur Verfügung wenn nicht geheizt werden muss, deshalb können Saisonalspeicher ein Schlüssel für die nachhaltige Wärmeversorgung sein.
Eine Biogasanlage in direkter Nähe zum Speicher liefert uns heißes Wasser, das mit Abwärme aus der Biogasverstromung erhitzt wird. Die nahegelegene Druckerei liefert uns heißes Wasser, das mit Abwärme aus Druckprozessen erwärmt wird. Zwei Großwärmepumpen werden Wasser auf die entsprechende Temperatur bringen, um es für die Wärmeversorgung nutzen zu können. Dazu kann u.a. überschüssiger Wind- und Solarstrom verwendet werden. Die drei Quellen werden verwendet um sowohl das Netz direkt zu versorgen, als auch das Speicherbecken aufzuheizen. Pumpen in der Energiezentrale sorgen dann dafür, dass das heiße Wasser sich auf den Weg zum Kunden macht.
Projektmeilensteine
- Am 23.04.2018 wird die Wärmeinfrastruktur GmbH & Co. KG gegründet. Zu diesem Zeitpunkt gibt es bereits Ideen und erste Konzepte zur Versorgung einiger öffentlicher Liegenschaften im Norden von Meldorf über ein Wärmenetz und die Speicherung von industrieller Abwärme
- Bereits wenige Tage später wird unter dem Projektnamen „Meldorf 85 plus X“ eine erste Projektskizze zur Förderung für Deutschlands ersten Saisonalspeicher beim Projektträger Jülich (PtJ) eingereicht. Es sollen 85% (plus X) CO2-Äquivalent im Vergleich mit einer fossilen Einzelversorgung der betrachteten Gebäude eingespart werden.
- Die Projektskizze wird in enger Abstimmung mit dem PtJ weiter verfeinert und im Oktober ein Förderantrag eingereicht.
- Im Dezember 2019 erfolgt die Bewilligung der Förderung.
- Die nächsten Jahre werden von Genehmigungen und Detailplanungen beansprucht.
- Im März 2022 werden erste Baggerarbeiten für das Speicherbecken durchgeführt. Zugleich laufen erste Erdarbeiten für das Wärmenetz an der Miele
- Die Wasserhaltung (Grundwasser) des Bauwerks stellt sich als deutlich aufwändiger heraus als ursprünglich geplant und verzögert die Fertigstellung der Erdarbeiten.
- Im November 2022 wird die Auskleidung des Beckens mit Kunststoffdeckbahnen fertiggestellt
- Am 21.11.2022 wird mit der Befüllung des Beckens begonnen.
- Ende April 2023 ist die Befüllung abgeschlossen und die Errichtung des „floating liner“ (unterste Schicht Schwimmabdeckung) beginnt
- Ende September ist die Schwimmabdeckung geschlossen
- Im November 2023 werden die Bauarbeiten am Becken abgeschlossen
- Mit einem ersten Regelbetrieb des Leitungsnetzes im Herbst 2025 wird der sanierte Altbau und der Neubau der Gemeinschaftsschule mit Heizwasser versorgt
- Der nächste größere Meilenstein folgt in 2026 mit der Wärmeversorgung des Hallen- und Freibades Meldorf. Hier wird der Probebetrieb voraussichtlich im Oktober 2026 starten
- Das vorhandene Wärmenetz wird auch bei der Kommunalen Wärmeplanung eine Rolle spielen: Die Ergebnisse der KWP für Meldorf sollen im Frühjahr 2027 vorliegen und werden weitere Ausbaugebiete identifizieren
- Ende Juli 2026 wurde die erste Großwärmepumpe angeliefert. Die Zweite wird für Ende Oktober erwartet. Die Inbetriebnahme ist aktuell für Ende Oktober und Ende November geplant
Die erste Wärmepumpe ist da!





